Video Editing in Linux

Dies ist eine kleine Zusammenfassung der Erkenntnisse, die ich bei der Videobearbeitung unter Linux gesammelt habe.

Das Rohmaterial

Meine Kamera (Canon XA10) zeichnet Material im AVCHD-Format auf. Das Ergebnis sind Dateien mit der Endung MTS, die im Order /PRIVATE/AVCHD/BDMV/STREAM abgelegt sind.

Meistens verwende ich ein anamorphes Format, d. h. die verwendete Auflösung ist 1440×1080 Pixel, wobei die Pixel gestreckt werden, um das Format 16:9 (1920×1080) erzeugen.

Vorverarbeitung

Die MTS-Dateien weisen eine Größe von maximal 2 GB auf. Bei längeren Videosequenzen werden mehrere Dateien angelegt. Das Zusammenfügen auf der Timeline des Editors führt zu Sprüngen an diesen Stellen. Die Lösung ist aber sehr einfach: Die Dateien können einfach zusammengefügt werden:

cat 00001.MTS 00002.MTS 00003.MTS > ONEFILE.MTS

Es gäbe auch die Möglichkeit, die Dateien virtuell miteinander zu verbinden, unter Verwendung des Device Mappers und eines Loop-Devices pro Quelldatei.

Andererseits kann man das Zusammenhängen auch gleich nutzen, um die Datei von der SD-Karte auf die SSD zu transferieren.

Optional: Konvertieren mit HandBrake

Die Quelldatei lässt sich auch gleich mit Handbrake konvertieren, was relativ flott geht. Dann sind auch gleich etwaige Artefakte durch das Zeilensprungverfahren durch die eingebauten Filter entfernt.

Ich habe mir dazu ein Preset angelegt, welches Bildrate und Auflösung gleich lässt:

  • Dimensionen: Optimal für Quelle
  • Filter:
    • Interlace Erkennung: Default
    • Deinterlace: Decomb
    • Deinterlace Voreinstellung: Default
  • Video:
    • Framerate: Gleich wie Quelle

Die erzeugte Datei funktioniert im Video-Editor eine Spur besser, d. h. die Vorschau ruckelt weniger.

Videoschnitt mit OpenShot

In OpenShot muss ein Profil mit einem Pixelseitenverhältnis von 1:1 ausgewählt werden, andernfalls war auch das resultierende Video verzerrt.

Um die anamorphen Videos hübsch darzustellen, muss in den Eigenschaften auf der linken Seite unter Skalieren mit der rechten Maustaste Strecken ausgewählt werden. Das Eigenschaften-Fenster kann mittels Strg+I geöffnet werden.

Der Fehler ist bereits bei Github erfasst.

Außerdem empfiehlt sich, in den Voreinstellungen den Puffer zu erhöhen bzw. auf die SSD (Puffermodus Disk) zu legen:

Veröffentlichung

Mit der Funktion Exportieren kann eine MP4 Datei erzeugt werden. Auch hier darf kein anamorphes Video erzeugt werden. Das Exportieren dauert bei mir über doppelt so lange als die Originallänge, da wird Bild für Bild berechnet und wieder codiert.

Die fertige Datei kann auf YouTube hochgeladen werden. Ob eine neuerliche Behandlung mit HandBrake einen Vorteil brächte, muss erst eruiert werden.

Fazit

Der einfache Videoschnitt klappt damit problemlos. OpenShot ist eine quelloffene Software, es gibt keine Limitierungen, um sich von einer zu bezahlenden Variante abzuheben.

War mir noch abgeht, sind Audio-Filter, beispielsweise zur automatischen Anhebung der Lautstärke oder zur Rauschunterdrückung.

Die Video-Übergänge sind eher einfach gehalten, hier gibt es nur statische Effekte, d. h. das Bild bleibt auf seiner Position. Für komplexere Effekte können die Animationen verwendet werden, die mittels Schlüsselbildern bis ins kleinste Detail erstellt werden können.

Für eine responsivere Vorschau würden sogenannte Proxy-Clips helfen, die warten noch auf Implementierung.

Alles in allem werde ich damit in Zukunft meine Mitschnitte für die Veröffentlichung vorbereiten. Bisher erledigte ich das in iMovie, aber da war mir die Wartezeit beim Importieren der Clips schon zu lange.

Alternativ könnte man sich noch die Videoschnittfähigkeiten von Blender ansehen.

Über Franz Knipp

Geboren 1975, erster eigener Computer 1984, erste eigene Webseite 1995, erster Blog 1999 in Spanien. Seit 2000 Programmierer und Projektleiter. Inzwischen verheiratet und dreifacher Vater. 2011 Gründung eines Software-Unternehmens. Aktuell Obmann der Waldorfinitiative Sonnenland und Landessprecher der Open Source Expert Group Burgenland.
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