Büroautomatisierung – viele Anbieter, (k)ein Überblick

In der Büroplanung geht es langsam voran – langsamer, als ich mir vorstellte, aber Stück für Stück werden einzelne Detailfragen geklärt. Ein großer Punkt ist die Elektroinstallation, wo ich eine Automatisierung am Stand der Zeit anstreben.

Die folgenden Eckpunkte habe ich mir für die Auswahl gesetzt (nach Prioritäten gereiht):

  1. Kabelgeführtes System, Funkkomponenten bestenfalls später als Ergänzung.
  2. Integration möglichst aller Komponenten in ein System: Licht (mit Dimmer und Präsenzmelder), Jalousiesteuerung, Heizungsregelung, Lüftungssteuerung, Türsprechanlage, Zutrittskontrolle, Alarmanlage.
  3. Die Anpassung der Programmierung soll durch mich möglich sein.
  4. Eine Kontrolle über Webbrowser oder Smartphone ist nicht zwingend erforderlich, aber ein wünschenswertes Plus.

Auf Basis dieser Anforderungen habe ich eine Menge Lösungsvarianten gefunden, die ich im Folgenden kurz beschreiben möchte, sowie mein Erkenntnisstand dazu.

KNX (auch EIB, Instabus)

KNX ist der Standard im Bereich der Gebäudeautomatisierung und wird weltweit in Büros eingesetzt. Über 100 Hersteller stellen zertifizierte Komponenten her, die jedes erdenkliche Anwendungsfeld abdecken. Es gibt kein zentrales Steuerungselement, sodass auch der Ausfall einer Komponente keinen Totalausfall bedeutet.

Die Standardisierung kostet Geld, sodass eine KNX-basierte Lösung im Regelfall die teuerste Variante darstellt. Die Programmierung sollte theoretisch von einem zertifizierten Elektriker erfolgen, zumindest ist dafür eine Software namens ETS erforderlich, wofür die Lizenz 900 Euro kostet. Immerhin gibt es eine kostenlose Demo-Version, die allerdings auf 3 Geräte beschränkt ist. Außerdem braucht man natürlich eine entsprechende Schnittstelle im System.

Vimar Eikon, Vimar Plana

Der italienische Hersteller Vimar bietet ein Komplettsystem aus Schalterprogramm und Automatisierungskomponenten an. Die österreichische Vertretung ist elektrohaus.at im Technologiezentrum Eisenstadt, wodurch ich das System nicht nur aus dem Internet, sondern auch schon an der Demowand bestaunt habe. Es ist nicht nur technisch on top, sondern auch ästhetisch ansprechend – und das Design zieht sich durch alle Komponenten, also passen auch die Steckdosen zu den Schaltern.

Das By-Me-System integriert Licht und Rolladensteuerung mit der Türsprechanlage, die über denselben LCD-Schirm bedient werden. Auch die Alarmanlage ist integriert. Für den Zugriff mittels Webbrowser oder Smartphone steht ein Webserver zur Verfügung – das Bild der Türsprechanlage ist dort leider nicht integriert.

Die Konfiguration erfolgt über das Steuermodul, das beim LCD-Monitor eingebaut wird. Es gibt auch eine Software, das beispielsweise zur Konfiguration eines Touch-Screens verwendet wird. Das Konfigurieren der gesamten Anlage ist damit nicht möglich, sodass jeder Schalter einzeln angelernt werden muss.

Das System bietet auch eine Audio-Integration an, mit Schnittstellen für iPhone und iPad, die dann über die LCD-Schirme bedient werden können, aber das werde ich im Büro nicht brauchen.

Peha PHC

Der deutsche Hersteller Peha bietet mit PHC ein Bussystem an, das bis auf die Integration der Türsprechstelle und des Zutrittssystems alle Anforderungen abdecken kann. In den Schalterprogrammen ist die Vielfalt geringer als bei Vimar, wobei sich für meinen Geschmack passende Lösungen bereitstehen. Die Lösung sieht in jedem Fall mehr nach Büro aus.

Es gibt ein zentrales Steuermodul für den Verteilerschrank, das mit USB-Schnittstelle ausgestattet ist und mit einer kostenlosen Software die zentrale Konfiguration der Anlage ermöglicht. Die Anlagenkomponenten (Schalter, Dimmer, Aktoren) verfügen über DIP-Schalter, um die Adresse festzulegen, mit der sie angesprochen werden.

Die Programmierung erlaubt einen großen Spielraum zur Umsetzung eigener Ideen. Es gibt fertige Beispiele, um z. b. eine dämmerungsgesteuerte Jalousiesteuerung zu realisieren, die aber auch manuell geschalten werden kann und bei Wind automatisch einfährt.

Ein Schwachpunkt ist die Steuerung über den Webbrowser, hier wird keine fertige Lösung angeboten.

Loxone

Loxone ist eine österreichische Firma, wo sich der Schwerpunkt noch stärker auf die Bedienung über den Webbrowser verlagert. Auch gibt es Apps für Android und iPhone. Wenn man sich die Kosten der Touchdisplays mancher Bushersteller ansieht, eine logische Entwicklung: Um das Geld kann man in jeden Raum ein günstiges Android-Tablet hängen. Diese gibt es auch schon zu Preisen in der Größenordnung eines 4-fach-KNX-Tasters.

Ausgehend vom sogenannten Miniserver lassen sich durch den Kauf von Extensions die Anzahl der verfügbaren Ein- und Ausgänge so lange erhöhen, um die eigenen Anforderungen abdecken zu können. Im Gegensatz zu den anderen Anbietern hat eine derartige Erweiterung immer alle Arten von Ein- und Ausgängen, sodass man zwangsläufig unbenutzte Ports hat.

Der Miniserver bietet auch eine nicht zertifizierte KNX-Schnittstelle, um es in eine derartige Installation zu integrieren. So können auch KNX-Taster verwendet werden, wenn man Digitaleingänge sparen möchte. Im Normalfall kauft man jedoch Taster aus einem beliebigen Schalterprogramm und hängt diese an die Digitaleingänge. Wenn man eine visuelle Rückmeldung am Schalter möchte (bei den oben angeführten Lösungen eine Standardfunktion) muss auch noch zusätzlich einen Ausgang spendieren.

Die Programmierung erfolgt über eine kostenlose Software und erlaubt einen fast grenzenlosen Spielraum. Wer schon einmal mit SPS zu tun hat, wird sich sofort zurechtfinden. Im Server ist außerdem eine Speicherkarte enthalten, sodass sich Messwerte über einen längeren Zeitraum aufzeichnen lassen. Außerdem stehen am Webserver Schnittstellen zur Verfügung, um sie in eine größere Applikation zu integrieren.

Wem die Analog-, Digital- und EIB-Schnittstelle nicht reicht, kann die Anlage um Extensions erweitern, die andere Schnittstellen anbieten, z. B. serielle Schnittstellen für RS-323 und RS-485, enOcean für Funk, 1-Wire für Sensoren. Mit der DMX-Extension könnte ich auch meine Disco-Scheinwerfer integrieren. Damit sollte sich so ziemlich alles einbinden lassen. Lediglich die Integration der Türsprechstelle ist noch nicht abgeschlossen, daran wird noch gearbeitet.

Im Vergleich zu den anderen Lösungen ist es ein junges Produkt, welches aber einiges Potenzial öffnet. So ließe sich die Zutrittskontrolle mit der Zeiterfassung und Deaktivierung der Alarmanlage kombinieren.

Preislich bewegen sich die drei letzten Lösungen für die Hardware in derselben Größenordnung. Die Programmierung ist sehr unterschiedlich. Die Programmierung setzt immer einen PC mit Microsoft Windows voraus.

Und sonst?

Die folgenden Lösungen konnte ich auch noch finden:

  • Merten EIB Easy ermöglicht den Einstieg in die KNX-Welt, erlaubt die Programmierung ohne Software, stellt aber nur einen begrenzten Funktionsumfang zur Verfügung: Lichtsteuerung, Jalousiesteuerung.
  • Quadrat Home ist ein Anbieter für SPS-basierte Lösungen mit Virtualisierungen.
  • Smart Home by Redl dürfte eine Lösung basierend auf Loxone sein. Aktuell ist das Produkt gar nicht mehr auf der Homepage zu finden.
  • HomeMatic ist der Low-Cost-Einstieg in die Welt der Home Automation, das vor allem über Funk kommuniziert, aber manche Komponenten über Kabel (RS485) anbindet. Die Komponenten können bei Conrad bezogen werden.
  • iP-Symcon ist eine Software für Microsoft Windows, die eine Vielzahl von Bussystemen ansprechen kann und vor allem zur Visualisierung über Web-Browser eingesetzt werden kann. Mittels PHP können auch ausgefallene Steuerungswünsche selbst implementiert werden.
  • LCN (Local Control Network) ist eine Bussystem zur Gebäudeautomatisierung der deutschen Firma Issendorff GmbH. Preislich dürfte es im Bereich von KNX liegen, ohne aber den Vorteil der breiten Herstellerpalette zu bieten.

In zwei Wochen ist die Light+Building in Frankfurt, wo sicherlich einige Neuigkeiten in diesem Bereich vorgestellt werden. Auch wenn es interessant wäre, sich das vor Ort anzusehen, nehme ich von einem Besuch nicht nur wegen der Anreise Abstand: Ich bin mir sicher, dass ich dann noch ein paar Monate länger brauche, welches System ich für mein Büro auswähle.

Ich freue mich auf Rückmeldungen aller Art und lade ein, für Fragen und Erläuterungen das Kommentarfeld zu nutzen.

Über Franz Knipp

Geboren 1975, erster eigener Computer 1984, erste eigene Webseite 1995, erster Blog 1999 in Spanien. Seit 2000 Programmierer und Projektleiter. Inzwischen verheiratet und dreifacher Vater. 2011 Gründung eines Software-Unternehmens. Aktuell Obmann der Waldorfinitiative Sonnenland und Landessprecher der Open Source Expert Group Burgenland.
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6 Responses to Büroautomatisierung – viele Anbieter, (k)ein Überblick

  1. Franz Knipp sagt:

    Heute habe ich den Artikel um eine Kleinigkeit ergänzt: Vimar bietet ihr eigenes Bussystem an, als auch Komponenten für KNX. Im oben beschriebenen Artikel ist das By Me-System gemeint.

    Außerdem wurde ich auf „My Home“ von bticino/Legrand aufmerksam gemacht. Das werde ich mir wohl auch noch ansehen – was die Übersicht nicht gerade verbessert.

    • anemac sagt:

      Hi, wofür hast du dich nun entschieden?

      • Franz Knipp sagt:

        Es wird nun doch ein EIB-System. Da gibt es einfach die größte Auswahl an hübschen Schaltern. Wenn man ein bisschen sucht, findet man auch günstige Aktoren. Bleibt dort als einziger Nachteil die teure Software zum Programmieren. Da gibt es zwei Wege: Man besorgt sich die Lite-Lizenz (siehe http://www.knipp.org/2012/10/gratis-ets-lizenz/) und teilt das Projekt in mehrere Teilprojekte auf, die je maximal 20 Geräte enthalten. Oder man nimmt an einer Sammelbestellung teil, von denen ich in ein paar Foren gelesen habe.

        Ich bekomme hoffentlich nächste Woche mein EIB-Equipment von http://www.voltus.de und werde mich dann intensiv damit beschäftigen.

        Zur Visualisierung ergänze ich die Installation mit einer Loxone, wobei ich mir überlege (so ich dafür die Zeit habe), auch die Linux-Lösungen anzusehen, die es in dem Bereich gibt. Das könnte auf einem der Server nebenbei mitlaufen, die ich sowieso in Betrieb haben werde.

        Wenn es vor allem um Beleuchtung geht, kann man auch mit DALI einiges machen, wie ich bemerkt habe, als ich den KNX-DALI-Gateway bestellt habe. Da kann man auch Taster, Helligkeitssensoren und Bewegungsmelder anschließen – vielleicht auch noch mehr, ich habe das nicht so genau recherchiert.

        Was hast Du vor?

        • anemac sagt:

          Hi,
          ich beschäftige mich gerade mit der Planung der Elektroinstallation für mein EFH. Nachdem ich auf alle Fälle meine Raffstores in meinem Passivhaus regeln will (Verschattung wg. sommerlicher Überwärmung bzw. „Wetterschutz“) und eine Alarmanlage einbauen möchte kam ich auf die Idee des Bussystems. Bin durch den Elektriker auf Vimar aufmerksam geworden, das anscheinend wirklich rel. günstig im Vergleich zu anderen Systemen ist und nicht mit Funk funktioniert (zumindest das by me-System). Der Umfang der Möglichkeiten würde mir – glaube ich – reichen, ich möchte mich nicht stundenlang mit programmieren aufhalten wobei ich gleich dazu sagen möchte, dass ich technikaffin bin und keine „Angst“ davor hätte. Mich stört halt wie viele Andere die Abhängigkeit von einem Anbieter, wobei ich bei Vimar jetzt nicht die Angst hätte, dass es die in 15 Jahren nicht mehr gibt, da die im Hotel- und Schiffsausstattungsbereich anscheinend auch unterwegs sind.
          Nun habe ich aber auch was von „Vimar KNX“ (by com??) gelesen und frage mich, ob das einfach KNX Komponenten von Vimar sind oder es ein eigenes System darstellt, welches vollständig den KNX-Standard „verwendet“ (und somit gut erweiterbar wäre, falls notwendig). Die höheren Preise für div. Komponenten ließen dies vermuten, die Informationen im Netz sind hier aber eher dürftig…

          • Franz Knipp sagt:

            Aus dem Forum (weiß jetzt nicht welches) habe ich gelernt, dass das Vimar By Me auch über KNX-Telegramme kommuniziert. Allerdings dürfte es nicht möglich sein, es über die ETS zu konfigurieren, sondern nur an den Geräten selbst. Die Anbindung von externen Geräten dürfte daher schwierig sein. Gibt es bei Vimar By Me schon eine Wetterstation (zur Messung der Windgeschwindigkeit und Helligkeit für die Raffstores)?

            Es gibt von Vimar auch „echte“ KNX-Komponenten, die über die ETS konfigurierbar sind, z. B. der Schalter mit den vier Flächen. Die Auswahl ist da kleiner als bei Gira oder Merten. Am ehesten weiß man, welche Komponenten es gibt, wenn man die Gerätedatei für ETS von der Vimar-Homepage herunterlädt.

  2. Pingback: Der Weg zur kostenfreien ETS-Lizenz | Knipp

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