Ein Monat mit dem Nokia Lumia 800

Die letzten Wochen verbrachte ich mit dem Nokia Lumia 800, Nokias Einstieg in die Welt von Windows Phone. Es ersetzte für diesen Zeitraum mein normales Telefon, ein iPhone 4S, und konnte so zeigen, was es kann.

Alles begann sehr gut.

Der erste Eindruck war phänomenal. Das Gerät besticht durch ein Kunststoffgehäuse, das sich edler und angenehmer als so manches Glas- oder Metallgehäuse gibt und sehr gut in der Hand liegt. Das Display ist gewölbt und bietet dank AMOLED satte Kontraste.

Zum Lieferumfang gehört eine Schutzhülle in der passenden Farbe, die das Gerät nicht wesentlich vergrößert und daher nach Einlegen der SIM-Karte übergezogen wurde. Der Akku kann nicht gewechselt werden – das ist inzwischen fast Standard in dieser Geräteklasse. Die wenigen mechanischen Teile sind stabil, die USB-Buchse ist hinter einer magnetisch gesicherten Klappe versteckt und damit vor Staub geschützt. Sie fungiert auch zum Laden des Geräts. Die Klappe hat eine Doppelfunktion und sichert gleichzeitig den SIM-Kartenhalter. Aufkleber geben Anweisungen, wie die Karte eingelegt werden kann – die Bedienungsanleitung konnte in der Schachtel verbleiben.

Erstes Einschalten, erstes Wow-Erlebnis. Die Bedienoberfläche ist auf das nötigste reduziert, im Design gibt es lediglich drei Farben: Schwarz, Weiß und eine frei wählbare Schmuckfarbe, in meinem Fall blau (passend zum Gehäuse). Das Display ist gestochen scharf, die Bedienung geht leicht von der Hand. Nach mehreren Wochen mit Android und iOS gefiel mir die Benutzerschnittstelle, sie macht den modernsten Eindruck und kopiert nicht nur Konzepte aus den beiden anderen Welten.

Um den Wechsel auf dieses Telefon zu erleichtern, bietet ein Assistent den Transfer der Kontaktdaten an. Ein paar Minuten später waren diese über Bluetooth übertragen, und dem ersten Telefonat stand nichts mehr im Weg.

Telefonieren funktioniert einwandfrei. Das war mit Windows Phone in der Vergangenheit keine Selbstverständlichkeit. Lediglich das Annehmen eines Telefonats bei gesperrtem Bildschirm erfordert eine Kombination einer Wisch- und einer Klick-Geste, bei den anderen Betriebssystemen reicht eine Wischgeste, um das Telefonat anzunehmen.

Es folgte eine große Enttäuschung.

Der Assistent zum Übertragen der Kontaktdaten ließ auf eine gewisse Offenheit hoffen, aber hier folgte eine herbe Enttäuschung. Fotos und Videos sind am Gerät eingesperrt, der Transfer über USB oder Bluetooth ist auf mein Linux-Notebook nicht möglich. Auch Mac-Benutzer bleiben außen vor: Der Zugriff auf die Telefondaten ist ausschließlich mit der Microsoft-Software Zune möglich, die nur für Windows erhältlich ist.

Apropos Fotos: Die Verzögerung beim Schießen von Fotos erlaubt keine Schnappschüsse von Kindern in Aktion, da war das Nokia E7 besser. Die Bildqualität kann weder mit dem iPhone 4S noch mit dem Galaxy S II mithalten.

Ohne Anmeldung bei Microsoft ist kein Zugriff auf den App Store namens Marketplace möglich. Das ist bei allen aktuellen mobilen Betriebssystemen so, lediglich Samsung bietet auf ihren Android-Geräten einen alternativen App Store an, der ohne Anmeldung auskommt. Leider ist man damit auch von Updates ausgeschlossen, was zur Situation führte, dass mir zwar vier Updates empfohlen wurden, ich diese aber nicht installieren konnte.

Im Gegensatz zu den Mitbewerbern gibt es eine Funktion bei Windows Phone nicht: Die Verwendung der UMTS-Internet-Verbindung kann nicht über WLAN, Bluetooth oder USB an anderen Geräten genutzt werden, es ist also kein Tethering möglich.

Es blieb ein kleines Plus.

Ein Punkt hebt das Telefon von den Mitbewerbern ab. Nokia spendiert dem Telefon eine vollständige Navigationssoftware, bei der die Karten im Vorhinein (z. B. per WLAN) auf das Gerät geladen werden können und die daher während der Fahrt keine Internetverbindung mehr benötigt.

Zusammengefasst: Wer ausschließlich im Microsoft-Ökosystem zuhause ist und bei den Fotos geringe Anforderungen hat, ist mit dem Nokia Lumia 800 gut beraten. Windows Phone als Betriebssystem setzt neue Akzente im Design der Benutzerschnittstelle, stellt aber bei weitem nicht die technischen Möglichkeiten der eingesetzten Hardware zur Verfügung.

Herzlichen Dank an die The Gap-Redaktion für die Zurverfügungstellung des Telefons.

Update (26. März): Wie mir seitens Nokia mitgeteilt wurde, gibt es für Mac OS X-Benutzer ebenfalls eine Software, um die Geräteinhalte mit dem Computer zu synchronisieren, den sogenannten Windows Phone 7 Connector for Mac.

Über Franz Knipp

Geboren 1975, erster eigener Computer 1984, erste eigene Webseite 1995, erster Blog 1999 in Spanien. Seit 2000 Programmierer und Projektleiter. Inzwischen verheiratet und dreifacher Vater. 2011 Gründung eines Software-Unternehmens. Aktuell Obmann der Waldorfinitiative Sonnenland und Landessprecher der Open Source Expert Group Burgenland.
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6 Responses to Ein Monat mit dem Nokia Lumia 800

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  4. Andy sagt:

    es tröstet, dass dieses teil tethering gleich gar nicht anbietet: mein samsung s+ kann es zwar, aber in verbinung mit linux mint 13 bring ich usb-tethering trotzdem nicht zum laufen…
    so hat wohl jeder seine „probleme“ *g*

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