Gemeindeversammlung zum Hochwasserschutz

Heute fand im Osliper Feuerwehrhaus eine Gemeindeversammlung zum Hochwasserschutz für das Siedlungsgebiet von Oslip statt.

Etwa 25 Besucher fanden sich ein, eine kleine Zahl, wenn man betrachtet, wie viele Personen von diesem Projekt betroffen sind. Nach der Begrüßung durch den Bürgermeister, wo ein paar andere Punkte angeschnitten wurden (siehe unten), ging es gleich ans Thema des Abends.

Den Einstieg machte der Experte Hofrat Dipl.-Ing. Josef Rojacz von der Landesregierung. Diese hat 2007 das Ziviltechnikerbüro Pieler beauftragt, für das gesamte Wulkatal eine sogenannte Abflussuntersuchung zu erstellen. Basierend auf einer genauen Karte wurde am Computer ein Hochwasserereignis simuliert, und dabei ein dringender Handlungsbedarf festgestellt. Ein 100-jähriges Hochwasser (HQ100) wird dabei als Planungsgrundlage herangezogen.

Als Maßnahmen dienen vor allem der Bau von Rückhaltebecken und sogenannten linearen Maßnahmen (Änderung des Flussprofils, Dämme, Mauern). In anderen Orten (Mattersburg, Wulkaprodersdorf, Trausdorf) wurden bereits erste Maßnahmen durchgeführt, was bereits zu einer Verbesserung der Lage für Oslip führt. Das Ziel ist, in fünf bis sieben Jahren das Wulkatal hochwassersicher ausgestattet zu haben.

In der Überleitung wies Bürgermeister Johann Schumich darauf hin, dass es ein ehrgeiziges Projekt ist, welches das Zutun der Bevölkerung erfordert, etwa 100 Personen müssen als Grundbesitzer die Genehmigung erteilen.

Ziviltechniker Dipl.-Ing. Josef Pieler erklärte kurz zwei Begriffe: Der Hochwasserschutz ist nur für Siedlungsgebiete förderbar (vereinfacht: Widmung als Bauland), als Schutz gegen die statistische Größe HQ 100. Das Ergebnis der Modellierung zeigt für Oslip, dass in diesem Fall Wulka und Nodbach über die Ufer treten.

Projektleiter Dipl.-Ing. Thomas Past geht auf das konkrete Projekt ein. Um die Zahl dieses HQ100 begreiflich zu machen, zeigte er ein Bild vom Hochwasserereignis am 25. Juni 2009, als das Wasser die Unterkante der Brücke in der Eisenstädter Straße erreichte. Damals flossen 32 m³/s Wasser durch die Wulka, bei HQ100 wird mit 83 m³/s simuliert.

Die betroffenen Gebiete ohne Hochwasserschutz sind das Klosterviertel, die Šaš, der Kirchenplatz, der Friedhof, der Wulkahof und die Cselleymühle. Auf der anderen Seite der Wulka würde das Betriebsgebiet überschwemmt werden.

Eine Reihe von Schutzmaßnahmen soll das Wasser von Oslip abhalten:

  • Eine Aufweitung des Profils des Bachlaufs, Ausbildung eines Doppeltrapezprofils
  • Anhebung des Weges am rechten Ufer um 0 bis 40 Centimeter, inklusive Ausführung einer flachen, wirtschaftlich nutzbaren Böschung (Im Zuge dessen wird der Weg befestigt.)
  • Im Bereich des Nodbachs: Dämme und Mauern am rechten Ufer
  • Im Bereich der Grundstücke am Wulkasteig: Errichtung einer Schutzmauer
  • Eine flache Böschung hinter den Betriebsgebiet bei Baumeister Strommer und Spenglerei Krumpeck
  • Im Bereich der Cselleymühle: Errichtung eines Damms

Die Fußgängerbrücke muss neu errichtet werden. Die Straßenbrücken bleiben bestehen. Allerdings steigt im Hochwasserfall der Wasserspiegel bis zur Konstruktionsunterkante. Normalerweise müsste ein Freibord von 50 Centimeter verbleiben, damit Treibholz ungehindert passieren kann.

Die Kostenschätzung ergibt inklusive Nebenkosten und Umsatzsteuer EUR 890.000. Ablösen für Grundstücke sind nicht enthalten.

Die nächsten Schritte sind

  1. Das Einholen der Zustimmungserklärungen
  2. Die wasser- und naturschutzrechtliche Bewilligung
  3. Einreichung für die Förderung
  4. Planung, Ausschreibung, Auftragsvergabe
  5. Umsetzung

Hofrat Rojacz erklärte die Finanzierung: 40% der Projektkosten trägt der Bund, 40% das Land, 20% die Gemeinde. Die Landesmittel sind gesichert, bei den Bundesmitteln handelt es sich um Ermessensausgaben, die bereits einmal vor drei Jahren ohne Ankündigung um 20% gekürzt wurden. Für die Förderbarkeit ist weiters eine Kosten-Nutzen-Analyse erforderlich. Nur wenn der Nutzen (sprich: der Schaden beim Eintritt des Hochwasserereignisses) die Kosten deutlich überwiegt, wird die Förderung genehmigt.

Der größte Aufwand im ganzen Ablauf ist das Einholen der Zustimmungen der Grundbesitzer. Ausnahmslos alle müssen zustimmen, um das Projekt durchführen zu können. Bürgermeister Schumich plant daher die persönliche Einladung der Betroffenen zu drei Terminen, um die Details zu besprechen.

Als realistischer Baubeginn wird Mitte 2016 angenommen.

Die besprochenen Maßnahmen sind kein Schutz vor Starkregenereignissen, dafür wurde bereits ein eigenes Projekt unter der Leitung von Ziviltechniker Dipl.-Ing. Gottfried Kolbe gestartet.

Vor der Diskussion erklärt Hofrat Rojacz, dass es keinen 100%igen Schutz gegen Hochwasser gibt. In vielen Fällen sind es Maßnahmen, die die Bürger selbst treffen können, um den Schaden gering zu halten. Beim Anstieg des Grundwasserspiegels gibt es keine Schutzmaßnahme, hier müsste man einen entsprechend dichten Keller bauen.

Die Diskussion als auch die Gespräche bei den Plänen zeigten bereits, dass es viel Arbeit sein wird, hier eine Lösung zu finden, die für alle Grundstückseigentümber tragbar ist. Im Siedlungsgebiet sind alle Anrainer an Wulka und Nodbach betroffen.

Die anderen Punkte der Begrüßung

  • Am 4. Oktober ist Zivilschutzprobealarm.
  • Die Einlaufschächte in der Bahnstraße, Teilen der Hauptstraße und Eisenstädter Straße (L313) werden angehoben. Seit vielen Wochen besteht diese Baustelle, aber nichts geht weiter. Die Zuständigkeit liegt beim Land.
  • Seit letzter Woche wird an der Errichtung der Schrankenanlage an der Eisenbahnkreuzung mit der L313 gearbeitet.

Über Franz Knipp

Geboren 1975, erster eigener Computer 1984, erste eigene Webseite 1995, erster Blog 1999 in Spanien. Seit 2000 Programmierer und Projektleiter. Inzwischen verheiratet und dreifacher Vater. 2011 Gründung eines Software-Unternehmens. Seit 2012 Grüner Gemeinderat in Oslip.
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