Wer führt uns durch den Datenwald?

Der Begriff Datenjournalismus ist in den letzten Jahren entstanden und versteht die Aufbereitung von öffentlich zugänglichen Daten durch Journalisten. Das ist im Wesen nichts Neues und wurde schon immer praktiziert, allerdings haben sich durch die Entwicklung des Internets und in weiterer Folge der Open Data-Bewegung die zugänglichen Datenmengen vervielfacht und stehen jetzt „roh“ zur Verfügung.

Ein Beispiel: Luftmesswerte werden seit mehreren Jahren systematisch erhoben. Wo man früher als Journalist entweder bei der Behörde nachfragen musste, um Aussagen über die Luftqualität zu erhalten bzw. auf von der Behörde ausgegebene Pressemitteilungen zurückgriff, stehen heute diese Daten öffentlich zur Verfügung und können von jedem gesammelt, gespeichert, analysiert werden – eben auch von Journalistinnen und Journalisten.

Dies ermöglicht eine komplett neue Dimension der Recherche, unabhängig von (vor allem) staatlichen Stellen. Die Recherche kann von jeder Person durchgeführt werden, aber in der Hand der Medien hat sie eine besondere Bedeutung. Schließlich kommt ihnen die Rolle zu, aus der Vielfalt der zur Verfügung stehenden Informationen zu selektieren, was die Leserschaft interessieren könnte. Gepaart mit der journalistischen Sorgfaltspflicht bekommt die veröffentlichte Information eine neue Qualität – ihr kann in größerem Maß vertraut werden, als wenn die Quelle beispielsweise ein unbekannter Internetblog ist.

Das klingt jetzt alles ganz nett, aber gibt es das wirklich? Oder behandle ich hier ein vollkommen abstraktes Thema?

Bei der Frage muss man leider feststellen, dass im deutschsprachigen Raum der Datenjournalismus noch nicht in größerem Maß den Weg in die Redaktionen geschafft hat, im Gegensatz zum anglo-amerikanischen Raum, wo es bereits erfolgreiche Beispiele gibt – besonders im Bereich von interaktiven Visualisierungen der Daten.

Um die Daten journalistisch aufzubereiten, braucht es mehr als einen Redakteur. Ein Team aus Journalisten, Technikern, Statistikern, Grafikern und Fachleuten zum jeweiligen Thema muss zusammengestellt werden, um die notwendigen Daten zu speichern, automatisiert zu analysieren, zu interpretieren und darzustellen.

Zusätzlich muss die Ausrichtung des Mediums geändert werden: Die Ergebnisse des Datenjournalismus sind im klassischen Format auf Papier, als Radiosendung oder als TV-Beitrag nicht in voller Breite darstellbar, das Internet ist das Zielmedium.

So wünsche ich mir, dass diese Entwicklung auch in Österreich Fuß fasst, nicht zuletzt auch im Hinblick darauf, damit Open Data eine Selbstverständlichkeit wird und nicht dem Sparstift zum Opfer fällt.

Mehr zum Thema Datenjournalismus gibt es am 20. März beim twenty.twenty im The Hub in Wien. Ich bin bei dieser Veranstaltung für den Live-Video-Stream ins Internet verantwortlich.

Über Franz Knipp

Geboren 1975, erster eigener Computer 1984, erste eigene Webseite 1995, erster Blog 1999 in Spanien. Seit 2000 Programmierer und Projektleiter. Inzwischen verheiratet und dreifacher Vater. 2011 Gründung eines Software-Unternehmens. Seit 2012 Grüner Gemeinderat in Oslip.
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