Ein Monat mit dem Nokia E7

Dank eines Kollegen konnte ich jetzt schon über ein Monat ein Nokia E7 testen. Das Gerät gehört zu den Businessmodellen und ist mit der vollständigen Schreibmaschinentastatur ein Nachfahre der legendären Communicator-Serie. Im Vergleich zu meinem 3 Euro-Telefon bietet es viel mehr Möglichkeiten. Leider konnte es mich nicht restlos überzeugen.

Alles super, …

Das Gerät bietet von der Ausstattung alles, was ein sehr gutes SmartPhone ausmacht: Großer, gut lesbarer Touchscreen, UMTS, WLAN, Bluetooth, GPS-Empfänger, Anschlussmöglichkeiten für USB-Geräte (z. B. eine Maus) oder einen HDMI-Ausgang für den Fernseher. Hier bleiben keine Wünsche offen. Das geschlossene Metallgehäuse macht einen edlen, soliden Eindruck. Der Akku lässt sich nicht wechseln.

Nokia gehört wohl zu den besten Telefonhardware-Produzenten, die lange Erfahrung macht sich so auch bei der ausklappbaren Tastatur positiv bemerkbar. Die Mechanik funktioniert einwandfrei und ist so gebaut, dass sie ein Mobiltelefonleben hält. Die Tastatur selbst hat einen klaren Druckpunkt. So tippt man problemlos längere Nachrichten. Zum Glück hat man den Schwachsinn mit der dreireihigen Tastatur wie beim N900 wieder aufgegeben.

Die eingebaute 8-Megapixel-Kamera mit Autofocus macht scharfe Bilder. Der eingebaute Blitz ist recht stark, auch die Reaktionszeit ist erfreulich kurz. Sogar eine Zoom-Funktion wird angeboten. Die Fotos sind von der Qualität in jedem Fall ausreichend für Papierabzüge.

… oder so

Soweit klingt alles toll. Die Enttäuschungen stellten sich erst mit der regelmäßigen Verwendung ein.

In meinem Haus (aber auch im Garten) ist das Telefonieren schwierig, unabhängig vom Netzbetreiber ist der Empfang immer an der Grenze. Leider ist das auch bei Nokia nicht anders. Was hier jedoch störend ist, ist die fehlende Möglichkeit einer Wiederwahl mit ein oder zwei Tastendrucken.

Beispiel für diesen Ablauf:

  1. Ich wähle „Anrufen“, um in die Telefonapplikation zu gelangen.
  2. Dort gebe ich die Anfangsbuchstaben des Kontakts ein. Die Kontaktsuche ist toll gelöst, so kann man die Namen mit Leerzeichen trennen: „kni fr“ (also 564037) findet meinen Namen und blendet die Verwandten mit demselben Familiennamen aus.
  3. Nach Anwählen meines Kontakts erhalte ich eine Auswahlbox mit meinen Telefonnummern.
  4. Ich wähle eine aus, der Verbindungsaufbau startet.
  5. Der geht bei mir leider meistens nicht. Es erscheint ein Fehler wie „Netz belegt“, „Verbindungsfehler“, „Nur Notrufe“.
  6. Nach dieser Fehlermeldung bin ich wieder am Ende von Schritt 3. Die Nummer kann nicht einfach durch einen Klick wieder gewählt werden, sondern es sind zwei Drucke auf zwei verschiedenen Stellen erforderlich, um den Vorgang zu wiederholen.

Bei meinem Billigtelefon ist die Wiederwahl einfach ein Druck auf die grüne Telefonhörertaste, das kann ich ohne Blick auf den Schirm ausführen.

Ein ähnliches Usability-Problem tritt auch beim eingebauten Browser auf. Ich lese gerne am Telefon die Nachrichten. Das funktioniert so, dass ich einen Beitrag lese und dann auf die vorherige Seite zurückspringe, um den nächsten Beitrag zu lesen. Das geht leider nicht mit einem einzigen Klick, sondern ist ebenfalls ein längerer Weg:

  1. Öffnen des Menüs mit dem Doppelpfeil rechts unten.
  2. Klick auf „Zurück“: Nun erscheint eine graphische Darstellung der History.
  3. Klick auf die vorherige Seite.
  4. Diese wird nun wieder geöffnet.

Dass es auch einfacher gehen kann, zeigt der Opera Browser, der kostenlos für dieses Gerät zur Verfügung steht. Der „Zurück“-Button ist ständig sichtbar, ein Klick genügt, um auf die vorherige Seite zurück zu kehren. Dieser Browser bringt im Gegensatz zu Nokia eine Bildschirmtastatur zur Adresseingabe mit: Nokia stellt bei eingeklappter Tastatur nur einen Zehnerblock dar, wo nicht einmal das Eingabesystem T9 zur Verfügung steht. D. h. zur Eingabe von FK ist 33355 zu tippen. Das ist am Touchscreen eine Herausforderung.

Eine andere Schwäche stellte ich im Zusammenspiel mit meinem Linux-Notebook fest: Mein Billigtelefon kann ich über Bluetooth als Modem verwenden. Dazu war im wesentlichen nur das Pairing erforderlich, danach wurden mir noch drei Fragen zu Land und Netzbetreiber gestellt, fertig. Es gibt sogar die Möglichkeit, das Internet über ein Bluetooth PAN zu nutzen. In jedem Fall ist keine Installation einer zusätzlichen Software erforderlich (im Gegensatz zu Windows).

Jedoch nicht so beim Nokia. Es wird zwar ein Modemzugang erkannt, aber es gelang mir nicht, diesen zum Laufen zu bekommen. Eine Anfrage an den Nokia-Support endete mit folgender Aussage:

Nach ausführlicher Recherche muss ich Ihnen leider mitteilen, dass Sie keine Möglichkeit haben Ihr E7-00 als Modem für Ihren MAC zu benutzen.

Auch bei einem anderen Punkt zeigte sich, dass die Software hinter den technischen Möglichkeiten zurücksteht. Durch den großen Bildschirm und die gute Tastatur ist das Gerät für E-Mails prädestiniert. Der Zugang war schnell eingerichtet, Empfang und Versand kein Problem. Eigentlich erwarte ich, dass durch Nutzung von IMAP IDLE das E-Mail in Echtzeit am Mobiltelefon ist. Leider konnte ich dafür trotz mehrerer Tests keine funktionierende Einstellung finden. Als kleinster Abfrageintervall kann 5 Minuten gewählt werden, was für den normalen Alltag sicher absolut ausreichend ist. Bei den dortigen Einstellungen findet sich wiederum ein sinnvolles Feature: Um Akku zu sparen bzw. Ruhestörungen durch neue E-Mails zu verhindern, lässt sich diese Abfrage nach Wochentag und Uhrzeit einschränken.

Thema Akku: Ich war während des ganzen Testzeitraums nie mit einem Akku-Problem konfrontiert. Ich muss das Gerät nur alle zwei bis drei Tage anstecken, und selbst da kommt noch kein Warnung vom Gerät, dass der Akku leer ist.

Fazit

Bei der Hardware ist es ein Spitzengerät, das gut in der Hand liegt und alle Wünsche erfüllt. Leider mangelt es an der Software. Das Betriebssystem (Symbian^3) ist stabil, aber die Umsetzung der eingebauten Applikationen könnte verbessert werden. Nach dem Microsoft-Deal sind aber meine Hoffnungen gedämpft, dass sich in diesem Bereich noch sehr viel tut. Schade für Nokia.

Herzlichen Dank an meinen Kollegen Christian Aysner für das Zuverfügungstellen des Geräts!

Über Franz Knipp

Geboren 1975, erster eigener Computer 1984, erste eigene Webseite 1995, erster Blog 1999 in Spanien. Seit 2000 Programmierer und Projektleiter. Inzwischen verheiratet und dreifacher Vater. 2011 Gründung eines Software-Unternehmens. Seit 2012 Grüner Gemeinderat in Oslip.
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