Jedem Depp sei App

Mit diesen markigen Worten startete Alexander Reitberger von Fonda die Diskussion beim gestrigen Mobile Monday im Kunsthistorischen Museum in Wien. Das Thema war Web vs. App.

Die Key Note zeigte Ergebnisse einer Studie von Fonda, die die mobilen Auftritte der Top-100 der österreichischen Unternehmen analysierte. Nur 10 dieser Unternehmen bieten eine eigene mobile Version ihres Webauftritts an, bei weiteren 50 ist die Website am Smartphone wenigstens bedienbar. Erschreckend ist es meiner Meinung nach, dass 40 Websites schlicht gar nicht funktionieren.

17 der Unternehmen bieten auch eigene Apps an, wobei hier ein klarer Focus auf dem iPhone bzw. iPad liegt: Nur bei 6 gibt es auch Versionen für andere Betriebssysteme.

Nach der Präsentation startete die Podiumsdiskussion. An sich hätte die Zusammensetzung eine spannende Auseinandersetzung mit dem Thema ermöglich: Vom Freelancer-Applikationsentwickler über Agenturchef bis zum Auftraggeber waren alle „Stakeholder“ vertreten. Leider war die Diskussion eher lau, der Erkenntnisgewinn begrenzt:

  • Nicht jede Applikation ist als mobile Website umsetzbar (z. B. Navigation, Bildbearbeitung, anspruchsvolle Spiele)
  • Hybrid-Applikationen (z. B. realisiert durch PhoneGap) können nicht mit nativen Applikationen in der Ausführungsgeschwindigkeit mithalten.
  • Mobile Apps werden hauptsächlich aus Marketing-Gründen, z. B. durch die Platzierung im App-Store, eingesetzt.
  • Für manche Unternehmen wäre die Investition in eine mobil verwendbare Website vernünftiger.

Ich kenne einige Applikationen, die nichts anderes als Launcher für mobile Websites sind, da lösen sich die technischen Vorteile einer mobilen App überhaupt in Luft auf.

In einer Diskussion Web vs. App können fairerweise zum jetzigen technischen Stand nur Anwendungen betrachtet werden, in denen der Content die wesentliche Rolle spielt – in Form von Text, Bildern, Videos.

Leider wurden andere Punkte nur angestreift oder gar nicht betrachtet:

  • Wie monetarisiere ich meinen Content? Der Download im App-Store ermöglicht eine Verrechnung, die in einer mobilen Website nicht so einfach möglich ist.
  • Wie ändert sich das Verhalten bei Tablets? Meiner Erfahrung nach sind auf Tablets wie dem iPad normale Websites sehr gut dargestellt, sodass manche mobile Apps hier ihre Berechtigung verlieren.
  • Offline-Verfügbarkeit vs. Aktualität? Die Verfügbarkeit der Daten ohne Datennetz bzw. im Roaming-Fall sind ein wichtiges Pro-Argument für den Einsatz mobiler Applikationen (wobei HTML5 hier schon Möglichkeiten bietet), andererseits ist bei manchen Inhalten eine größere Aktualität höher zu bewerten, z. B. in der Live-Sportberichterstattung.

Der MobileMonday ist nicht nur eine Diskussionsveranstaltung, das Networking mindestens ebenso wichtig. Bei einem ausreichenden Buffet und einer Cocktailbar bot sich dazu reichlich Gelegenheit. Der Caipirinha war hervorragend.

Der nächste Mobile Monday ist am 27. Juni.

Ergänzung 23. März: Inzwischen gibt es den offiziellen Review auf mobilemonday.at, inklusive Folien und Fotos. Ein kurzes Video mit Statements der Diskussionsteilnehmer steht ebenfalls zur Verfügung.

Über Franz Knipp

Geboren 1975, erster eigener Computer 1984, erste eigene Webseite 1995, erster Blog 1999 in Spanien. Seit 2000 Programmierer und Projektleiter. Inzwischen verheiratet und dreifacher Vater. 2011 Gründung eines Software-Unternehmens. Seit 2012 Grüner Gemeinderat in Oslip.
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